Geerbte Schulden

Geschrieben am: 20 April, 2015, 10:09

Artikel vom 7. April 2015, Süddeutsche Zeitung, © Berrit Gräber

Stecken in einem Nachlass unter dem Strich nur Schulden, müssen die Erben aktiv darauf verzichten – sonst gehören die Miesen ihnen. In der Regel bleiben sechs Wochen Zeit, um ein Erbe auszuschlagen. Jeder 14. Deutsche hat das schon einmal getan. Wenn die Frist verstrichen ist, wird es kompliziert. Dann ist juristische Hilfe nötig.

Ob Aktien, Bargeld, Schmuck oder Immobilien: Die Nachkriegsgeneration hat richtig viel Vermögen angehäuft. Etwa 130 Milliarden Euro reichen die Deutschen Jahr für Jahr an ihre Nachkommen weiter, ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Das heißt aber nicht, dass sich alle Erben freuen können, denn nicht jeder Nachlass macht reicher: Jeder elfte Erbe geht laut DIA leer aus – oder hat plötzlich sogar Schulden am Hals. Denn die Nachlassnehmer haften auch für ein mögliches Minus, das ihnen zufällt.

Wer die Erinnerungsstücke will, muss auch die Schulden nehmen

Ein Beispiel: Die 57-jährige Michaela M. aus Nürnberg ist Alleinerbin ihrer Mutter, die vor Kurzem gestorben ist. Wie es aussieht, hat sie ihr einen Aktienfonds, etwas Erspartes und ein paar Antiquitäten hinterlassen. Zugleich waren das Auto und die neue Waschmaschine aber noch nicht abbezahlt, einige Versandhausrechnungen sowie die Steuernachzahlung offen und das Girokonto mit 5000 Euro in den Miesen. Was also tun?

Reicht der Nachlass definitiv nicht aus, um die Schulden zu bezahlen, sollte die Erbschaft sofort ausgeschlagen werden, rät Michael Henn von der Deutschen Anwalts-, Notar- und Steuerberatervereinigung für Erb- und Familienrecht. Jeder 14. Deutsche hat das nach einer Analyse der Postbank schon einmal getan, in der Regel wegen geerbter Schulden.

Wer sich wie Michaela M. zum Verzicht entschließt, dem sollte allerdings klar sein, dass er damit alles aus der Hand gibt. Denn Erben funktioniert nur nach dem Prinzip: Ganz oder gar nicht. Der Erbe schlüpft vermögensrechtlich in die Rolle des Erblassers hinein – mit allen womöglich teuren Konsequenzen. Zu den unvermeidlichen Verbindlichkeiten aus einem Nachlass zählen beispielsweise die Kosten für die Bestattung, die Testamentseröffnung oder die Nachlassverwaltung, hinzu kommt die möglicherweise anfallende Erbschaftsteuer. Darüber hinaus können eventuelle Schulden, die der Erblasser an seinem Todestag hatte, abgehen, etwa aus Miet- und Kaufverträgen, überzogenen Konten oder Unterhaltsrückständen. Nur den Sparstrumpf, die Aktien und die alten Möbelstücke herauszupicken, die Schulden aber abzulehnen, geht dagegen nicht. Wer Vermögenswerte und persönliche Erinnerungsstücke behalten will, muss auch für das Minus geradestehen.

Artikel vollständig nachlesbar unter: http://www.sueddeutsche.de/geld/vermoegensnachfolge-geerbte-probleme-1.2423136

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